Inglourious Basterds (2009)
von maguel am 22. Aug, 2009, unter Allgemein, Film, Lifestyle, Persönliches
Frankreich zur Zeit des 2. Weltkriegs: Während die deutsche Wehrmacht die französische Bevölkerung demütigt und unterdrückt, formiert sich ein Trupp ausgewiesener Nazi-Hasser zu den “Basterds” (u.a. Brad Pitt, Til Schweiger, Eli Roth, Gedeon Burkhard). Ihr Ziel: Möglichst viele Nazi-Skalpe zu erobern. Ihr einziger ebenbürtiger Gegenspieler ist der sadistische Hans Landa (Christoph Waltz), der “Judenjäger”. Es kommt, wie es kommen muss: Zum großen Showdown aller beteiligten Personen…
Wer sich gleich zu Beginn einmal über die beiden Rechtschreibfehler im Titel wundert (denn eigentlich müsste es ja Inglorious Bastards heißen) – Tarantino ist bekanntlich Legastheniker und macht sich einen Spaß daraus, dies hiermit der Welt offen zur Schau zu stellen.
Inglourious Basters lässt sich schwer kategorisieren. Der Film ist ebensowenig Kriegsfilm, wie Komödie oder Drama. Auf der anderen Seite ist er aber auch irgendwie alles auf einmal. Vorallem eine Liebeserklräung an das Kino, wie wir es von Tarantino gewohnt sind. Einfach meisterlich die Anfangsszene, eine in Perfektion dargebotene Hommage an Sergio Leones Spaghetti-Western, noch dazu zu den eindringlichen Tönen vom Maestro Ennio Morricone persönlich. Herrlich die Großaufnahmen vom verschwitzten Arbeiter in der drückenden Mittagssonne, der sich wie in Zeitlupe die Stirn wischt. Wüsste man es nicht besser, würde man denken, Sergio Leone selbst hätte die Szene gedreht…
Und es geht auch gleich meisterlich weiter, denn die Verhörszene mit dem plötzlich zu Starruhm gekommenen österreichischen Darsteller Christoph Waltz in der Rolle seines Lebens ist ein meisterliches Stück Kinogeschichte mit geringsten Mitteln aber perfekten Dialogzeilen und vorallem mit einem Christoph Waltz, den man stundenlang bei seinen perfiden Monologen zusehen und -hören könnte, ohne dass jemals Langeweile aufkommen würde.
Nahtlos eingefügt ins Tarantinsche Universum hat sich auch Superstar Brad Pitt, dessen texanischer Akzent herrlich abstrus wirkt. Wobei man gleich einmal anmerken muss: Dieser Film lebt von der internationalen Besetzungen, vom Wort- und Sprachwitz der verschiedenen Sprachen – wer sich hier nicht die Originalfassung ansieht ist selbst schuld, denn bei der Synchronfassung gehen all die feinen Humornuancen verloren. Außerdem ist ohnehin selbst in der Originalfassung eine Vielzahl an Dialogen mit deutschen und österreichischen Schauspielern in Deutsch gedreht worden…
Tja, bei all der Lobhudelei – wo bleiben die kritischen Töne? Nun ja, man kommt nicht darum herum. Da ist einerseits ein leichtes dramaturgisches Loch in der Mitte des Films, der die Meisterlichkeit des Beginns und des Endes leider nicht über 150 Minuten hinweg halten kann. Und andererseits die bereits bekannte Gewaltverherrlichung von Tarantino. Ja, es handelt sich um eine comichafte Erzählung, die man nicht ernstnehmen kann und schon gar nicht darf, und ja, es ist auch nichts dagegen einzuwenden, comichaft zu überzeichnen – aber warum muss man den Zuseher dabei zusehen lassen, wie der Kopf eines Menschen von Baseballschlägen zum Platzen gebracht wird? Oder wie einem Menschen so lange ins Gesicht geschossen wird, bis davon nichts mehr übrig ist? Gewalt in Filmen kann man ja nicht von vornherein verurteilen, aber solche Szenen reihen sich ein in reine Gewaltverherrlichungsszenen wie wir sie von Eli Roths Werken “Hostel 1 + 2″ kennen, der übrigens dieses Mal in “Inglourious Basterds” als Schauspieler mit von der Partie ist.
“Inglourious Basterds”, das ist Tarantino (fast) in Höchstform, fein geschliffener Dialogwitz kombiniert mit scharfsinnigen Sprachwitz der internationalen Darstellergilde, das ist magisches Kino, das ist aber leider auch eine Art Gewalt auf der Leinwand zu zeigen, wie es nicht notwendig gewesen wäre und ohne diese Szenen und mit einer punktuellen Straffung des Drehbuchs wäre es ein absolutes Meisterwerk geworden. So ist der Film “nur” absolut sehenswert – allerdings bitte nur in der Originalfassung…
8/10
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29. August, 2009 um 1:05
Auch wenn die Schauspieler eine tolle Leistung erbracht haben, und Tarantino wie immer super war, stört mich die Aufmache des Films: “Die amerikanische Elite Einheit tötet Nazis.” Die sich selbst glorifizierenden Amis schauten im 2. Weltkrieg den Nazis zu und jetzt sprechen sie alle große Worte und sagen Sachen wie Tom Cruise: “Ich hätte damals Hitler getötet.”
Das feit mich echt an.